Newsletter 01 / 2010                 

    Nachrichten aus dem Fachbereich Gesundheit & Pflege

Kerstin Schröder berichtet über ihren viermonatigen Aufenthalt in Peru

Drei Monate dauerte mein Einsatz im Missionshospital Diospi Suyana im Süden von Peru, und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Anfangs war mein Einsatz hier zum größten Teil in der Pflegedienstleitung geplant, um dort auf die Abläufe des gesamten Krankenhauses zu schauen, so gehörte hier zum Beispiel auch die Betreuung der Küche und der Wäscherei in den Verantwortungsbereich der Pflegedienstleitung. Dort im Rahmen eines Qualitätsmanagement im kleinen Rahmen Schnittstellen, zum Beispiel zwischen Anästhesie/ Intensiv und den beiden „Pisos“ (Bettenstationen) zu untersuchen und bei Bedarf die Abläufe anzupassen, waren meine Aufgaben. Da aber während meines Einsatzes im Anästhesie- und im Intensivbereich Mangel an erfahrenen Pflegepersonen bestand, war ich die meiste Zeit dort eingesetzt, um hier auch als Ansprech- und Koordinationspartner da zu sein, da gerade in dieser Zeit die leitenden Pflegekräfte im Heimaturlaub in Deutschland waren.

Auf der Intensivstation lag zum Beispiel lange Zeit eine junge Patientin mit einer atypischen Pneumonie und einem anschließenden ARDS, die vorhandene Ausrüstung für solche Patienten entsprach hier einer Intensivstation der Grund/Regelversorgung bei uns in Deutschland. So sind Beatmungsgeräte und Infusomaten und Perfusoren in ausreichender Anzahl vorhanden, aber bei der Befeuchtung für eine Langzeitbeatmung, wie in diesem Fall, musste man improvisieren, und die erforderlichen Medikamente zur Sedierung sind teuer und die Beschaffung deutlich komplizierter als bei uns in Deutschland. Paulina, so hieß die Patientin, war alleinerziehende Mutter von sechs Kindern, nachdem ihr Mann beim Brückenbau vor Ort tödlich verunglückt ist. Natürlich kann diese Familie die Kosten nicht vollständig bezahlen, so wird in diesem Fall über einen peruanischen Sozialarbeiter ermittelt, wie viel die Familie beitragen kann und unter Umständen wird auch ein Teil zum „Abarbeiten“ zum Beispiel bei der Gartenarbeit auf dem Krankenhausgelände für den zwanzigjährigen Sohn, ausgewiesen und der Rest wird vom „Charityfond“ getragen.

Die nächstgelegenen Krankenhäuser befinden sich in Abancay und in Cusco, ca. 2 und 2 ½ Autostunden von Curahuasi entfernt, aber für Menschen ohne Versicherung (hier im Gebiet ca. 80% der Bevölkerung)ist dort eine Behandlung nur gegen Barzahlung zu haben, und damit für viele unerschwinglich. Eine rudimentäre Grundversorgung auf dem Land wird von den sogenannten „Postas“ angeboten, in denen ambulant zum Beispiel Ernährungsberatung, Empfängnisverhütung und auch Impfungen durchgeführt werden.

Auf der Intensivstation gab es für mich durch die schwerkranke Patientin viel anzuleiten und auch Struktur im Arbeitsalltag vermitteln. Wie gehe ich zum Beispiel mit einer arteriellen Kanüle um und wie funktioniert die Bauchlagerung und wie wichtig ist die regelmäßige Vitalzeichenkontrolle? Da kam mein Spanisch schon an seine Grenzen, genauso wie in den erforderlichen Gesprächen mit den halbwüchsigen Kindern der Patientin, aber die Zusammenarbeit mit den peruanischen Kollegen war zu jeder Zeit gut, so dass sie dann diesen Part übernommen haben. So bin ich von allen Peruanern, mit denen ich zusammengearbeitet habe, gut aufgenommen worden und sie waren auch sehr an den Verhältnissen und Arbeitsweisen in deutschen Krankenhäusern interessiert.
In Peru gibt es zwei Formen von Krankenpflegestudiengängen: die der lizenzierten Enfermera, für die fünf Jahre Studium zu absolvieren sind, und die der „Technica“, dieses Studium dauert drei Jahre, beide müssen von den Studenten selbst finanziert werden. Nach den fünf Jahren Studium kommt dann erst die Praxis, das ist dann im Stationsalltag nicht immer einfach. In peruanischen Krankenhäusern ist durch diese unterschiedliche Qualifikation auch die Aufgabenverteilung klar getrennt, so das die technicas die Grundpflege und den Servicebereich abdecken und die lizensierten Enfermeras für Visiten, Injektionen und Behandlungspflege zuständig sind, dieses wirkt sich im Alltag in eine stark ausgeprägte Funktionspflege aus, mit einer deutlich zu spürenden Hierarchie zwischen Absolventen der beiden verschiedenen Studiengängen. Im Missionshospital Diospi suyana wird aber versucht im Bezugspflegesystem zu arbeiten und die Wertschätzung und Ergänzung beider Berufsgruppen zu leben, so wie auch der liebe- und respektvolle Umgang mit den Patienten, gleich aus welcher sozialen Schicht er kommt, die tägliche Arbeit bestimmt.

Insgesamt kann ich sagen, dass es eine lohnende und bereichernde Zeit war, auch wenn natürlich auch Fragen offen geblieben sind, wie zum Beispiel der sozialen Gerechtigkeit und der ausreichenden, medizinischen Versorgung für alle Peruaner.
Was benötigen diese Menschen, um ihre Situation langfristig zu verbessern und was sind die Verbesserungen oder auch Veränderungen, die sie für sich selbst anstreben und was könnten in unserer globalen Welt /Gesellschaft in diesem Zusammenhang unsere Aufgaben dabei sein? Was können wir /ich aber auch von Ihnen lernen?
Was ich auf jeden Fall mitgenommen habe, sind meine Erfahrungen mit der Herzlichkeit der Peruaner, ihrer Offenheit und auch ihrer Ausgeglichenheit, Erfahrungen, die für mich mein Denken über materielle Bedürfnisse doch an einigen Stellen in Frage stellt.

So bin ich reich beschenkt und mit vielen wertvollen Erfahrungen in das winterliche Deutschland zurück gekehrt.

Kerstin Schröder, 5. Semester Pflegemanagement